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OJM-EXPEDITION #4: Paul Arma - nachgehallt


Am  Donnerstag, 7. Juni begaben wir uns zum letzten Mal in dieser Spielzeit auf EXPEDITION und erkundeten   Leben und Werk des französischen Komponisten, Musikethnologen und Pianisten mit ungarisch-jüdischer Herkunft: Paul Arma.

Hier ein Versuch, diese Expedition nachhallen zu lassen - nun ja, soweit dies mit Buchstaben und Fotos möglich ist... Vielleicht kommt man diesem zum Scheitern verurteilten Versuch am nächsten, indem man den Komponisten selbst und dessen Zeitgenossen zu Wort kommen lässt. Es folgt also: ein Nachhall in Zitaten, die Daniel Grossmann, Moderator der Arma-Expedition in mühevoller Kleinarbeit recherchiert und zumeist aus dem Französischen übersetzen hat lassen. So auch gleich das erste Zitat von Paul Arma selbst:

„Ich möchte eine musikalische Architektur, die vor allem klar, nüchtern, ohne jeden Kunstgriff oder Verzierung ist, der neue Barock: mit einem Wort, eine strukturierte Klangtransparenz und eine transparente Kompositionsstruktur.“ 

Ähnlich beschreibt Henry Cowell (US-amerikanischer Komponist irischer Herkunft und Herausgeber der Musikzeitschrift New Music Quarterly) 1931 in der Zeitschrift Melos Armas Musik:

„Sein Sinn für den Wert des Abstrakten und seine eigene mechanistisch konstruierte Musik, in der er das Bestmögliche mit einem möglichst einfachen Material zu schaffen sucht, ist nicht eben amerikanisch. Es hat mehr den Anschein einer Anlehnung der Musik an die Bauhaus-Prinzipien in der Architektur und Malerei.“

Neben den zeitgenössischen Strömungen und Neuerungen in Architektur und Malerei gab es noch einen weiteren wichtigen Einfluss für Paul Arma - seinen Lehrer Béla Bartók:

„Seine Integrität ist ein Vorbild für mich. Wenn er manchmal Zugeständnisse macht, ist es nie flach, billig oder modisch. Seinen schöpferischen Impuls wird Bartók nie in den Dienst der vulgären Sensationslust stellen, dem Wunsch, das Publikum, die anderen Musiker zufrieden zu stellen, aber er wird ihn immer und ausschließlich einem zwingenden kreativen Bedürfnis unterordnen.“













Lehrer und Schüler: Béla Bartók und Imre Weisshaus (Foto: Johan Hagemeyer), der sich nach seiner Flucht vor dem Nazi-Regime in Frankreich niederließ und von da an Paul Arma nannte. 

1928 erschien Armas erste Komposition in der Musikzeitschrift New Music Quarterly. Dieses Werk mit dem Titel Six Pieces for Solo Voice besprach Béla Bartók 1943 in seinem Artikel Revolution and Evolution in Art folgendermaßen:

„Seine Kompositionsideen waren ziemlich seltsam. Zum Beispiel schrieb er ein Lied für Solo-Gelang, natürlich ohne Begleitung, in dem Vokale die Worte als Text ersetzen. Zudem basiert dieses Lied auf einen einzigen Ton, der kontinuierlich wiederholt wird in unterschiedlichen Längen, mit abwechselnden Diminuendi, Crecsendi, Forte und Piano. Sie werden vielleicht zustimmen, dass ein Material, das auf diesem Wege zu fast Nichts reduziert wurde, eine ziemlich kärgliche Herangehensweise an die Erschaffung von einem musikalischen Werk ist.“

Auch wenn Bartók offenkundig nicht Feuer und Flamme für Armas Experimentierfreudigkeit und dessen neuen Ideen war, so war er zumindest voll des Lobes für sein virtuoses Klavierspiel. Zudem empfand er Zuneigung ihm gegenüber, wie Armas weiterer Lehrer Antal Molnár zu berichten weiß:

„Bartók mochte Imre Weisshaus sehr gerne und ich auch. Warum? Weil Weisshaus alles, ob er falsch oder richtig lag, mit Überzeugung und mit Leidenschaft machte. Ich habe selten einen Künstler getroffen, der so vollkommen seine Bestimmung annahm, wie er.“

Die OJM-Streichquartett-Formation: Sándor Galgóczi und Emanuel Wiesler (Violine), Charlotte Walterspiel (Viola) und Aniko Zeke (Violoncello). Auf dem Program standen: Petite Suite (1948), Structures Variées (1964) sowie Sept Transparences (1967).

Zum Abschluss soll Paul Arma noch einmal selbst zu Wort kommen:

„Wenn ich glaube auf etwas in meinem künstlerischen Leben stolz sein zu können, dann ist es, dass mir gelungen ist frei und unabhängig geblieben zu sein von aller Doktrin, aller Schule und aller Gruppierung.“ 

Ein bemerkenswertes Fazit eines ereignisreichen und produktiven Lebens voll eigenwilliger und mutiger Kreationen und Neuerungen. Fazit der letzten OJM-Expedition in dieser Saison: Spielt mehr Paul Arma! 

Bei unseren zukünftigen Planungen jedenfalls wird Paul Arma sicherlich eine Rolle spielen!

Wir spielen aber auch sonst noch mehr: Am 20. Juli als Abschluss unserer Spielzeit und im Rahmen des Münchner Faust-Festivals gibt es eine  FLIMMERKAMMER SPEZIAL: FAUST in den Münchner Kammerspielen (Kammer 2).

Und nächste Spielzeit gibt es selbstverständlich eine Fortsetzung der EXPEDITIONEN-Reihe, natürlich wieder in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum - stay tuned!

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