Sehr geehrte Damen und Herren,
bei der Gründung des Orchesters Jakobsplatz wurden das angestrebte Repertoire bewusst unscharf formuliert: Es sollte im weitesten Sinne etwas mit Judentum zu tun haben.
2007 begann das Orchester mit regelmäßigen Konzerten. Bei der Auswahl der Stücke stellte ich ein Gesamtprogramm zusammen, in demviele Aspekte des Judentums anklingen. Wir spielten Werke, die im Konzentrationslager entstanden sind, ein religiöses Oratorium, Uraufführungen von Werken jüdischer Komponisten und Stücke multi-nationaler Komponisten wie Alfred Schnittke.
Für die nächste Spielzeit habe ich ein Thema in den Mittelpunkt gestellt, das die "jüdische" Musik im 20. Jahrhundert stark prägte: Verfolgung. Viele Komponisten, die der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt waren, wurden zunächst vergessen, und ihre Werke mussten lange Zeit auf eine Wiederentdeckung warten. Seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden immer mehr Stücke der Vergessenheit entrissen und wiederaufgeführt. Erst in den letzten Jahren finden sich Opern wie "Der Kaiser von Atlantis" oder etwa Stücke Korngolds und Schulhoffs regelmäßig im Konzertrepertoire wieder.
Wir möchten neben der Erinnerung an diese Komponisten erreichen, dass sie als Künstler wahrgenommen werden, die wunderbare Musik erschaffen haben, der ein fester Platz im Programm der Konzertsäle angemessen ist.
Da es das Ziel des Orchesters ist, Jüdisches mit Nichtjüdischem zu verbinden, spielen wir auch Werke von Komponisten, die nicht aus ethnischen, sondern aus politischen Gründen verfolgt wurden wie zum Beispiel Hindemith oder Schostakowitsch.
Schließlich wird die Aufführung eines Auftragswerkes auch in dieser Saison ein wichtiger Teil des Programms sein.
Ich freue mich auf spannende Konzerte mit Ihnen, verehrtes Publikum!
Daniel Grossmann